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Zeitgeschichte der Psychiatrie

Zum Umgang mit psychischen Störungen im 20. Jahrhundert

Psychiatrie gehört zu den vergleichsweise intensiv bearbeiteten Feldern der Medizingeschichte. Das gilt insbesondere auch noch für die Psychiatrie für die Zeit des Nationalsozialismus. Aber für die anschließende Zeit und für die Frage der Kontinuitäten und Brüche liegen bisher erst vergleichsweise wenige Arbeiten vor. Das gilt ebenfalls auf regionaler Ebene. Die Lübecker Psychiatriegeschichte ist in einer ganzen Reihe lokalhistorischer Arbeiten aufgearbeitet worden. Hier hat sich Horst Dilling (1933-2020), der ehemalige Leiter der Psychiatrischen Klinik, besondere Verdienste erworben, der eine Reihe dieser Arbeiten initiierte und sich insbesondere für die Rekonstruktion des Schicksals psychiatrischer Patient:innen während der NS-Zeit eingesetzt hat.

Das Lübecker Teilprojekt in der Forschungsgruppe Kulturen des Wahnsinns knüpfte daran an mit einer Mikrostudie zu den Aufschreibepraktiken in der damaligen Reformheilanstalt Strecknitz. Derzeit laufen Arbeiten zur Rekonstruktion des psychiatrischen Alltags in der Nachkriegszeit (Dissertationsprojekt Alison Dörnte).

Das aktuelle Forschungsprojekt zu Medikamentenversuchen in psychiatrischen Einrichtungen und zu Erfahrungen von Leid und Unrecht von Kindern in psychiatrischen Einrichtungen bzw. Einrichtungen der Behindertenhilfe 1949-1975 untersucht die Verhältnisse in der psychiatrischen Abteilung bzw. Klinik in Lübeck vergleichend mit anderen Einrichtungen im Bundesland und ist damit Teil einer großen Regionalstudie im Rahmen der aktuellen Projekte zur medizinhistorischen und politischen Aufarbeitung der jüngeren Geschichte der bundesdeutschen Psychiatrie.

Zeitgeschichte der Psychiatrie war ebenfalls das Thema der Dissertation von Frau Dr. Bettina Schubert, in der sie die Kontinuitäten und (zumeist eher zaghaften) psychiatrischen Neuanfänge im Psychiatrischen Landeskrankenhaus Neustadt rekonstruiert hat.

Die ehemals selbständige Psychosomatische Klinik ist inzwischen eine Abteilung der Psychiatrischen Klinik, unter Hubert Feiereis reichte ihre Ausstrahlung ins ganze Bundesgebiet, wie Dr. Edith Hansen in ihrer Doktorarbeit dargestellt hat.

Im Rahmen einzelner Aufsätze hat Cornelius Borck verschiedene Aspekte der Psychiatrischen Zeitgeschichte behandelt, von der internationalen Diskussion um Erprobung und Effektivität psychiatrischer Schockverfahren in der Zwischenkriegszeit  bis zu Helmut Selbachs Krisentheorie psychiatrischer Phänomene.