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Zwischenbericht der Studie zu Medikamentenversuchen in SH

Das Projekt zur wissenschaftlichen Untersuchung psychiatrischer Medikamentenversuche in Schleswig-Holstein 1949-75 legt seinen Zwischenbericht zur wissenschaftlichen Untersuchung der Praxis der Medikamentenversuche in schleswig-holsteinischen Einrichtungen der Behindertenhilfe sowie der Erwachsenen-, Kinder- und Jugendpsychiatrien in den Jahren 1949 bis 1975 vor

Die bisherigen Auswertungen bestätigen eine umfangreiche Beteiligung mehrerer psychiatrischer Einrichtungen Schleswig-Holsteins an Prüfungen und Anwendungsstudien pharmazeutischer Produkte im Untersuchungszeitraum. Das damals zuständige Innenministerium hatte in den 1950er Jahren in Teilen Kenntnis von dieser Praxis: Im Kontext knapper Haushaltsmittel und stark steigender Kosten für neue Psychopharmaka in den 1950er Jahren wiesen sowohl das LKH Schleswig als auch das LKH Heiligenhafen das Ministerium darauf hin, dass kostenlose „Ärztemuster“ und die Anwendung von neuen Präparaten unter dem Aspekt der Kostensenkung eingesetzt wurden.

Die Prüfung und Zulassung neuer Medikamente war in der Bundesrepublik allerdings bis zum Inkrafttreten des Arzneimittelgesetzes 1976 gesetzlich weitgehend ungeregelt gewesen. Deshalb stellt sich umso mehr die Frage, inwieweit andere gesetzliche Regelungen und welche ethischen und fachlichen Standards zum Tragen gekommen sind. Dies soll im Fortgang der Untersuchungen in Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern des Projekts aus den Fächern Ethik, Recht und Geschichte erörtert werden.

Insgesamt konnten mehr als 30 Fachzeitschriften-Artikel über Medikamententestungen bzw. Anwendungsbeobachtungen im Zeitraum 1953 bis 1973 identifiziert werden. Die darin beschriebenen Medikamententestungen fanden in den Abteilungen für erwachsene und minderjährige Patientinnen und Patienten des damaligen Landeskrankenhauses Schleswig, der psychiatrischen Klinik der Universität Kiel, der Psychiatrischen und Neurologischen Klinik der Medizinischen Akademie Lübeck sowie dem Psychiatrisch-Neurologischen Krankenhaus des Diakoniewerks Kropp statt. Aufklärung und Einwilligung von Probandinnen und Probanden finden in keinem der Fachartikel Erwähnung. Gelegentlich werden in den Veröffentlichungen Nebenwirkungen bei den betroffenen Patientinnen und Patienten genannt.

Die Auswertung der im Landesarchiv Schleswig vorliegenden Patientenakten des Landeskrankenhauses Schleswig sowie der Universitätspsychiatrie Kiel erbrachte vereinzelt zusätzliche Hinweise zu Medikamententestungen und Medikamentenanwendungsstudien. Vor allem aber fanden sich in den Schleswiger Patientenakten Hinweise auf Leiderfahrungen und Unrechtskontexte wie z.B. Angaben zu Fixierungen und Gewalterfahrungen von Patientinnen und Patienten. Die Untersuchung dieser Missstände ist seit November 2019 Gegenstand eines weiteren Forschungsauftrags an das Institut für Medizingeschichte und Wissenschaftsgeschichte der Universität zu Lübeck.

Den Zwischenbericht finden Sie hier.
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