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Das Psychiatrische Aufschreibesystem

Cornelius Borck (Hrsg.).

Paderborn: Fink 2015

Im 19. Jahrhundert wurde in den psychiatrischen Kliniken die patientenbezogene Dokumentation in Form einer Krankenakte etabliert. Die Krankenakten waren ein Element in einem weit verzweigten Aufschreibesystem, das bis in die Infrastruktur der Klinik, die Publikationskultur der Disziplin, aber auch in die Justiz und in den sozialen Umgang mit Psychiatriepatienten hinein reichte. Anhand der Techniken und Verfahren des Notierens, Beobachtens, Schreibens und Verarbeitens kann nicht nur die Entwicklung psychiatrischer Bürokratie nachgezeichnet, sondern auch verfolgt werden, wie die psychiatrischen Methoden ein Wissen formieren, Machtkonstellationen errichten und Ontologien des Wahnsinns herstellen.

In den Verfahren des Notierens, Ordnens und Schreibens lässt sich eine Eigenlogik des Beobachtens, Sammelns, Protokollierens, Begutachtens und Interpretierens in der Psychiatrie freilegen. Schreibakte werden zumeist von der Verwaltung in Gang gesetzt, eröffnen der Psychiatrie Zugang zur juristischen Dienstbarkeit und beschleunigen die interne Ausdifferenzierung der Disziplin. Schreibszenen wirken auf die Äußerungen der Patienten zurück und reizen wiederum Phänomene an, die ihrerseits aufgezeichnet werden. So entsteht eine Dynamik, welche das Fach vorantreibt, seine Position in der Gesellschaft austariert, einmal gefundene Differenzierungen permanent über sich hinaus treibt und Klinik, Forschung und gesellschaftliche Praxis zu einem unabschließbaren Projekt geraten lässt.

Mit Beiträgen von Cornelius Borck, Petra Fuchs, Rupert Gaderer, Max Gawlich, Novina Göhlsdorf, Volker Hess, Johannes Kassar, Sophia Könemann, Sophie Ledebur, Sonja Mählmann, Marietta Meier, Armin Schäfer, Birgit Stammberger und Wolfgang Rose.

Cornelius Borck & Armin Schäfer (Hg.): Das Psychiatrische Aufschreibesystem, Paderborn: Fink 2015.