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Gefährten

Kulturwissenschaftliche Aspekte der Hund-Mensch-Beziehung

Modulverantwortliche/Dozierende: Dr. Birgit Stammberger

Dieses Wahlfach findet i.d.R. in den Sommersemestern statt.

Lehrinhalte

  • Seit über 20 Jahren erforschen Verhaltensbiologie, Kulturwissenschaften und Soziologie die Hund-Mensch-Beziehung. Die Erkenntnisse über Hunde und ihre Besitzenden markieren dabei die Komplexität dieses einzigartigen Verhältnisses, das keineswegs nur auf instrumentelle, egoistische oder ökonomische Aspekte reduziert werden kann. Dass Hunde mehr sind als nur eine dem Menschen gegenüber niedrigstehende Spezies, die der Mensch erziehen und beherrschen will, sondern maßgeblich menschliches Verhalten steuern und beeinflussen, stellt zugleich auch die bisherige Fokussierung der Kultur- und Sozialwissenschaften allein auf den Menschen kritisch in Frage: Was unterscheidet den Menschen vom Tier? Wie sehen die Abhängigkeiten verschiedener Spezies untereinander aus? Müssen wir unser Bild vom Menschen und seiner angenommenen Sonderstellung revidieren, wenn immer mehr, bisher allein dem Menschen zugesprochenen, Fähigkeiten auch bei Tieren zu beobachten sind?
  • Aus der einstmals diagnostizierten Tiervergessenheit der Humanwissenschaften sind längst neue Forschungsfelder hervorgegangen, wie die zahlreichen kulturwissenschaftlichen, wissenschaftshistorischen und soziologischen Studien an und mit Tieren zeigen. Nicht selten wird mit dem animal turn ein Paradigmenwechsel postuliert, der festgefahrene Sichtweisen und tradierte Vorstellungen ins Wanken geraten lässt: Hunde sind mehr als Dinge oder Naturobjekte. Sie sind eigenständige Akteure, besitzen Individualität und sind zu Mitgefühl fähig. Ihre erstaunlichen Fähigkeiten von Intelligenz und Empathie beeinflussen unsere Beziehung zu ihnen und haben damit auch eine Wirkung auf menschliche Orientierungsweisen und menschliches Verhalten.
  • Doch Hunde sind nicht längst auch Ziel und Gegenstand markt- und kapitalförmiger Praktiken geworden. Mit keinem anderen Wesen drücken Menschen so sehr einen individuellen Lifestyle aus wie mit dem eigenen Hund. Der stetig steigenden Zahl von Hundebesitzenden steht ein immer weiter anwachsender Markt gegenüber, der mit ausgefeilten Produkten sowie Dienstleistungs- und Wellnessangeboten Milliarden verdient. Der Hund ist auch lebendiges Kapital in einer von Konsum und Individualität charakterisierten Gesellschaft.
  • Im Seminar werden wir der Hund-Mensch-Beziehung in ihrer vielfachen Bedeutung von Intimität und Freundschaft, Verwertbarkeit und Nutzen auf die Spur gehen. Der Fokus des Seminars liegt dabei weniger auf der tiergestützten Therapie, sondern auf Themenfeldern der kulturwissenschaftlichen Beschäftigung mit der Hund-Mensch-Beziehung. Befragt wird die neue wissenschaftliche Aufmerksamkeit auf die Hund-Mensch-Beziehung als auch der anhaltende Ausschluss und das Vergessen dieser Beziehung aus Perspektiven der Sozial- und Kulturwissenschaften.

Qualifikationsziele/Kompetenzen

  • Die Studierenden verbessern Ihre Fähigkeiten des kritischen Reflektierens der Publikationspraxis in den psychologischen Wissenschaften
  • Sie erschließen sich psychologische Grundfragen in einem interdisziplinären Forschungsfeld von Anthropologie, Wissenschaftsgeschichte und Philosophie
  • Sie vertiefen die Kompetenzen zur kritischen Auseinandersetzung mit kulturellen Differenzbegriffen, wie Mensch-Tier, Subjekt-Objekt
  • Die Studierenden erarbeiten sich wichtige Kategorien von Subjektivität, Mitgefühl und Sozialität im Kontext des Mensch-Tier-Verhältnisses
  • Die Studierenden können anhand eigener schriftlicher Ausarbeitungen unter Anleitung der Dozentin den Umgang mit wissenschaftlicher Literatur einüben und selbständig Diskussionsfragen auf Grundlage der Textlektüre formulieren

Studierende des Wahlfachs erhalten alle Details zur Durchführung, Literatur etc. in Moodle.