Wahlfächer im Sommersemester 2020

Medizin im Film:

Abtreibung
Filmische Bearbeitungen eines gesellschaftlichen Konfliktes

Birgit Stammberger, Christoph Rehmann-Sutter


Der Schwangerschaftsabbruch ist nicht erst durch die moderne Medizin möglich geworden. Es handelt sich vielmehr um ein in allen Kulturen anzufindendes Phänomen, das, wie der Soziologe Luc Boltanski schreibt, zu den „Grundlagen des menschlichen Daseins in einer Gesellschaft“ gehört. Ebenso universell sind aber auch die Formen der moralischen Missbilligung und der rechtlichen Regulierung.

Die jüngste Debatte um den § 219a („Werbeverbot“) in Deutschland hat gezeigt, dass auch in unserem Land die ärztliche Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen anrüchig geblieben ist und nicht zum normalen ärztlichen Können gehören darf, das jede Arztperson im Regelstudium erlernen muss. Die Fristenregelung, die heute in Deutschland gilt (§ 218) musste von der Frauenbewegung über Jahrzehnte mühsam erkämpft werden. Auch die viel restriktiveren Gesetzgebungen in Irland und Chile wurden kürzlich liberalisiert. Der Abbruch einer unerwünschten Schwangerschaft stellt für die ungewollt schwangere Frau oft eine situationsbedingte Notwendigkeit dar, die aber nach wie vor gesellschaftlich als konflikthaft angesehen wird.

Wie wird die Abtreibung in Filmen repräsentiert und thematisiert? Wie kann über Abtreibung gesprochen werden? Welche Fragen lassen sich mit Filmen diskutieren? In diesem Semester werden im Filmseminar ausgesuchte Filme aus verschiedenen Ländern zum Thema Abtreibung gezeigt. Sie führen zu einer offenen Diskussion. Nach einer Einführungssitzung mit einer einschlägigen Doku und mit Grundlagen zur Filmanalyse findet das Seminar zu sechs Filmen im 14-täglichen Rhythmus statt. Hintergrundtexte ermöglichen ein besseres Verständnis der einschlägigen kulturellen und politischen Kontexte.

Termine: 20.4., 4.5., 11.5, 25.5., 8.6., 22.6., 6.7.2020

(weitere Informationen unter Moodle)

 

Wahlfach Klassiker Lesen: Hans Blumenbergs Anthropologie

Cornelius Borck, Christina Schües


In diesem Jahr feiert der in Lübeck geborene Philosoph Hans Blumenberg seinen 100. Geburtstag. Er hat dicke Bücher über schwierige philosophische Fragen geschrieben und kurze Essays. Aber erst nach seinem Tod wurde deutlich, wie zentral die Frage nach dem Menschen für sein Nachdenken war. Die Beschreibung des Menschen ist eine Sammlung von Texten aus dem Nachlass, in denen Blumenberg fragt, wie der Mensch sich selbst inszeniert, verstellt oder verhüllt, weil er besonders sichtbar ist. Blumenbergs Anthropologie kreist um die Einsicht, dass "Der Mensch ein riskantes Lebewesen ist, das sich selbst misslingen kann", und bedient sich eines Begriffes der Visibilität, aus dem sich Perspektiven zum Weiterdenken ergeben können.

Textgrundlage: „Anthropologie: ihre Legitimität und Rationalität“ und Existenzrisiko und Prävention“, aus: Hans Blumenberg: Beschreibung des Menschen, Frankfurt am Main: Suhrkamp 2006, S. 478-549 und 550-622.

Mittwochs 16 – 20 Uhr bzw. 16 – 18 Uhr, Beginn 29.4.2020

(weitere Informationen unter Moodle)

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Lübeck kämpft für seine Uni