Wahlfächer im Wintersemester 2019/20

Medizin im Film:

„Dann mache ich eben Schluss!"

Sechs Filme zu Suizidalität im Jugendalter

Suizidale Handlungen von Kindern und Jugendlichen (ob versucht oder vollendet) sind in jedem einzelnen Fall eine Tragödie. Sie stellen eine enorme Herausforderung dar für die Familien und für die Gesellschaft im Allgemeinen. Besonders fordern sie die Sozialpädiatrie und Jugendpsychiatrie. Wie reagiert aber das Medium Film darauf? Welche Positionen gibt es im Film? Wir zeigen und diskutieren 6 unterschiedliche filmische Stellungnahmen zum jugendlichen Suizid.

Während Selbstmorde bei Kindern (bis 14) relativ selten sind, berichten fast 50% der Jugendlichen und jungen Erwachsenen (15-20) über zeitweilige Selbstmordphantasien und Suizidgedanken. 2014 gab es in Deutschland 222 registrierte Suizide in dieser Altersgruppe. Die Zahl der Versuche dürfte ein Vielfaches darüber liegen und mit einer hohen Dunkelziffer behaftet sein. Ursachen sind neben manifesten psychiatrischen Erkrankungen oft Identitätsprobleme und phasenspezifische Konflikte: Selbstwertprobleme, Kontaktstörungen, Probleme mit Sexualität und Geschlechtsidentität, Isolation, Unzufriedenheit mit der (noch in Entwicklung befindlichen) körperlichen Gestalt und depressive Verstimmungen sind für die Adoleszenz typische Faktoren. Hinzu kommt immer häufiger relationale Gewalt in Form sozialer Ausgrenzung oder Mobbing.

Filme und Serien nehmen sich seit einigen Jahren vermehrt dieses Themas an. Doch die mediale Aufarbeitung dieses Themas wird kompliziert dadurch, dass der medialen Darstellung realer oder imaginierter Suizide von Kritiker*innen eine die Nachahmung fördernde Wirkung bescheinigt wird, der man mit einer (im Medienzeitalter seltenen) Tabuisierung bzw. einer (gut gemeinten) Selbstzensur zu begegnen sucht: So gibt es u.a. in Deutschland, Norwegen, Österreich und der Schweiz bereits seit den 1990er Jahren die Selbstverpflichtung für Journalisten, bei der medialen Berichterstattung Zurückhaltung walten zu lassen, um Nachahmungen zu erschweren. Und schon Goethes berühmter Roman wurde aus demselben Grunde („Werther-Effekt“) zeitweilig verboten. Welchen Einfluss hat dieses Setting auf die Darstellung jugendlicher Suizidalität im Film?

Termine: jeweils 18.30 bis ca. 22.00 im IMGWF

28. Oktober 2019
Einführung (Filmsprache, Programmübersicht, Aufgabenverteilung)

11. November 2019
Film 1  „Die Leiden des jungen Werther“, Egon Günther, DDR 1976

25. November 2019
Film 2
„Wir haben nur gespielt“, Ann-Kristin Reyels, D 2018

16. Dezember 2019

Film 3
„2:37“, Murali K. Thallun, Australien 2006

6. Januar 2020

Film 4
„Virgin Suicides“, Sotia Coppola, USA 1999

20. Januar 2020

Film 5
„Lost and Delirious“, Léa Pool, Kanada 2001

2. Februar 2020

Film 6
„Lilja 4-ever“, Lukas Moodysson, Schweden 2002

Weitere Filme 

„Tod eines Teenagers“ (Silence of the Heart), USA 1984
„Das Lied vom traurigen Sonntag“ (Gloomy Sunday), D 1999
„Was nützt die Liebe in Gedanken“, D 2004

Literatur

Landauer, Gustav: Selbstmord der Jugend, 1911 (Ausgabe muss noch recherchiert werden).

Remschmidt, Helmut: Suizidhandlungen im Kindes- und Jugendalter – Therapie und Prävention, in: Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie 31 (1982), S. 35-40.

Sprengler, Peter: „Selbstmord der Jugend“, in: ders. Geschichte der deutschen Literatur 1900-1918, München (Beck) 2004, S. 3-23.

Grashoff, Udo: In einem Anfall von Depression. Selbsttötungen in der DDR, Berlin (C. Links Verlag) 2006.

Macho, Thomas: Das Leben nehmen: Suizid in der Moderne, Berlin (Suhrkamp) 2017.

Romane

Eugenides, Jeffrey: The virgin suicides, New York 2010.
Asher, Jay: Tote Mädchen lügen nicht, München 2010.
Fehér, Christine: Dann mache ich eben Schluss, München 2013. 

Weitere Materialien:

Dachverband Gemeindepsychiatrie e.V. (Hrsg.): Wenn die Seele überläuft. Junge Menschen in psychischen Krisen (Hörbücher und Unterrichtsmaterialien zu Angst, Essstörung und Suizid. 2010

 

 

IMGWF Universität zu Lübeck - Königstrasse 42 - 23552 Lübeck - Fon +49 (0)451 707 998-12 - Fax +49 (0)451 707 998-99 - info@imgwf.uni-luebeck.de

A A A

English Version

Lübeck kämpft für seine Uni