Wahlfächer im Wintersemester 2018/19

Medizin im Film: Seelenverletzungen. Film als Trauma-Arbeit

Das nächte Filmseminar findet erst wieder im Wintersemester 2019/20 statt !

DozentInnen: Prof. Christoph Rehmann-Sutter, Dr. Birgit Stammberger

Zeit und Ort: Montags, 18:30 bis 21:30 Uhr, 14-tägig im Hörsaal des IMGWF

„Dann mache ich eben Schluss“ - Suizidalität im Jugendalter

Suizidale Handlungen von Kindern und Jugendlichen (ob versucht oder vollendet) sind eine Herausforderung für die Gesellschaft im Allgemeinen, für Sozialpädiatrie und Jugendpsychiatrie im Besonderen. Während Selbstmorde bei Kindern (bis 14) relativ selten sind, berichten fast 50% der Jugendlichen und jungen Erwachsenen (15-20) über zeitweilige Selbstmordphantasien und Suizidgedanken. 2014 gab es in Deutschland 222 registrierte Suizide in dieser Altersgruppe. Die Zahl der Versuche dürfte ein Vielfaches darüber liegen und mit einer hohen Dunkelziffer behaftet sein. Ursachen sind neben manifesten psychiatrischen Erkrankungen oft Identitätsprobleme und phasenspezifische Konflikte: Selbstwertprobleme, Kontaktstörungen, Probleme mit Sexualität und Geschlechtsidentität, Isolation, Unzufriedenheit mit der (noch in Entwicklung befindlichen) körperlichen Gestalt und depressive Verstimmungen sind für die Adoleszenz typische Faktoren. Hinzu kommt immer häufiger relationale Gewalt in Form sozialer Ausgrenzung oder Mobbing.

Filme und Serien nehmen sich seit einigen Jahren vermehrt dieses Themas an. Doch die mediale Aufarbeitung dieses Themas wird kompliziert dadurch, dass der medialen Darstellung realer oder imaginierter Suizide von Kritiker*innen eine die Nachahmung  fördernde Wirkung bescheinigt wird, der man mit einer (im Medienzeitalter seltenen) Tabuisierung bzw. einer (gut gemeinten) Selbstzensur zu begegnen sucht: So gibt es u.a. in Deutschland, Norwegen, Österreich und der Schweiz bereits seit den 1990er Jahren die Selbstverpflichtung für Journalisten, bei der medialen Berichterstattung Zurückhaltung walten zu lassen, um Nachahmungen zu erschweren. Und schon Goethes berühmter Roman wurde aus demselben Grunde („Werther-Effekt“) zeitweilig verboten. Welchen Einfluss hat dieses Setting auf die Darstellung jugendlicher Suizidalität im Film?

Filme:

    „Die Leiden des jungen Werthers“, DDR 1976

    „Tod eines Teenagers“ (Silence of the Heart), USA 1984

    „Das Lied vom traurigen Sonntag“ (Gloomy Sunday), D 1999

    „Virgin Suicides“, USA 1999

     „Lost and Delirious“, Kanada 2001

     „Lilja 4-ever“, Schweden 2002

     „Was nützt die Liebe in Gedanken“, D 2004

     „2:37“, Australien 2006

     „Wir haben nur gespielt“, D 2018

Termine werden noch bekannt gegegben

Literatur

Landauer, Gustav: Selbstmord der Jugend, 1911 (Ausgabe muss noch recherchiert werden).

Remschmidt, Helmut: Suizidhandlungen im Kindes- und Jugendalter – Therapie und Prävention, in: Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie 31 (1982), S. 35-40.

Sprengler, Peter: „Selbstmord der Jugend“, in: ders. Geschichte der deutschen Literatur 1900-1918, München (Beck) 2004, S. 3-23.

Grashoff, Udo: In einem Anfall von Depression. Selbsttötungen in der DDR, Berlin (C. Links Verlag) 2006.

Macho, Thomas: Das Leben nehmen: Suizid in der Moderne, Berlin (Suhrkamp) 2017.

 

 

 


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