Studium Generale
Wissenschaft im Exil: Der Fall Weißrussland
Olga Shparaga (Hagen)
Wann: 17. Juni 2026, 18:30 Uhr
Wo: Hörsaal des IMGWF in der Königstraße 42 in Lübeck
Die Massenproteste in Belarus im Jahr 2020 haben das Bild der belarussischen Gesellschaft und damit auch das der belarussischen Wissenschaftler*innen und Forscher*innen verändert. Sie nahmen nicht nur an den Protesten teil, sondern initiierten auch verschiedene gemeinsame Aktionen und stellten ihre Fachkenntnisse den Oppositionspolitiker*innen zur Verfügung. Der Preis dafür waren Festnahmen, Haftstrafen und Exil.
Im Vortrag wird es um verschiedene Dimensionen und Aspekte der belarussischen akademischen Gemeinschaft gehen: wie sie sich in den 2020er-Jahren demokratisiert hat; wie sie an den Protesten teilgenommen hat und wie sie heute versucht, den Kampf für ein demokratisches Belarus fortzusetzen, sowie welche neuen Herausforderungen sie dabei bewältigen muss.

Olga Shparaga, PhD (geb. 1974 in Minsk) ist Philosophin im Exil und Gastwissenschaftlerin am Institut für Philosophie der FernUniversität in Hagen. Bis 2021 lehrte sie Philosophie am European College of Liberal Arts in Minsk (ECLAB), das sie 2014 mitbegründete (und das 2021 vom belarussischen Regime zwangsweise geschlossen wurde). Sie studierte Philosophie in Belarus und Deutschland und lehrte zunächst an der Europäischen Humanistischen Universität (EHU) in Minsk (2001–2004) und Vilnius (2005 bis 2014). Während der Massenproteste in Belarus im August 2020 hat Olga Shparaga die Femgruppe im Koordinationsrat rund um die belarussische Oppositionspolitikerin Svjatlana Tsichanouskaja mitgegründet. Als Mitglied der feministischen Gruppe wurde sie im Oktober 2020 inhaftiert. Um einem drohenden Strafprozess zu entgehen, floh sie nach Vilnius.
Zu Ihren Publikationen gehören Gemeinschaft nach dem Holocaust. Auf dem Weg zu einer integrativen Gesellschaft (Minsk, ECLAB-books, 2018, auf Russisch), das auf dem Internationalem Kongress für Belarus-Studien als das beste philosophische Buch 2018 ausgezeichnet wurde. Die Monografie Das Gesicht der Revolution ist weiblich. Der Fall Belarus erschien 2021 bei Suhrkamp, wurde in Vilnius auf Russisch und Litauisch veröffentlicht und erhielt 2021 den „Ales-Adamovič-Preis“ des Internationalen PEN Belarus. 2024 wurde Olga Shparaga mit dem „Voltaire-Preis für Toleranz, Völkerverständigung und Respekt vor Unterschieden“ der Universität Potsdam ausgezeichnet. Sie ist Mitglied des Beirats der Länder-Analysen (Country Analytical Digests), des Redaktionsbeirats des Ideology and Politics Journal und des filia Women Foundation Council. Im Wintersemester 2024/25 war sie Käthe-Leichter Gastprofessorin an der Universität Wien.