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Knowledge Integration

COVID-19: Improving Interdisciplinary Knowledge Integration in Public Health Crisis Management

Wissenschaftlich erzeugtes Wissen ist der Grundpfeiler der Wissensgesellschaft. Wie wichtig die Wissenschaft für Öffentlichkeit und Politik ist, zeigt sich in besonderem Maße bei der Bewältigung der COVID-19-Pandemie. Wissenschaftliche ExpertInnen informieren und beraten regelmäßig das staatliche Krisenmanagement und beeinflussen dadurch die gesundheitspolitischen Strategien von Bund, Ländern und Kommunen. Wissenschaftlich legitimierte Maßnahmen, wie der Lockdown, haben dabei massive Auswirkungen auf weite Bereiche des sozialen Lebens und die individuelle Lebensgestaltung. Gleichzeitig gibt es aber auch Kritik an der Art und Weise wie die Politik sich an der Wissenschaft orientiert. Skeptische Stimmen bemängeln insbesondere eine Fokussierung auf epidemiologische und lebenswissenschaftliche Expertise und eine Vernachlässigung von sozio-ökonomischen Konsequenzen der Pandemie.

Vor diesem gesellschaftlichen Hintergrund untersucht das Projekt am Beispiel der COVID-19-Pandemie die Rolle der Wissenschaften in der Politikberatung und im staatlichen Umgang mit Bedrohungen der öffentlichen Gesundheit. Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf die Möglichkeiten des epistemischen Pluralismus und das Zusammenspiel von biomedizinischer und sozialwissenschaftlicher Expertise im europäischen und deutschen Pandemie-Management gelegt. Das Projekt verfolgt mit politikwissenschaftlichen und wissenschaftsphilosophischen Methoden vor allem drei Erkenntnisziele:

  1. Eine detaillierte Beschreibung und Bewertung der Rolle der Sozial- und Lebenswissenschaften bei der Bewältigung der COVID-19-Pandemie bzw. der Rollen, die sie nicht gespielt haben.
  2. Eine Analyse der Unterschiede in den epistemischen Praktiken und Produkten der Lebens- und Sozialwissenschaften und die damit zusammenhängenden Herausforderungen für die interdisziplinäre Wissensintegration im Kontext von Public Health.
  3. Die Entwicklung von strategischen Ansatzpunkten zur Verbesserung der Wissensintegration wie auch der Wissenschaftskommunikation in der evidenzbasierten Politikgestaltung, insbesondere im Zusammenhang mit Bedrohungen der öffentlichen Gesundheit.

Förderung:
Das Projekt wird von der Volkwagenstiftung im Rahmen der Förderlinie „Corona Crisis and Beyond – Perspectives for Science, Scholarship and Society“ mit Unterstützung des Exzellenzclusters „Präzisionsmedizin für chronische Entzündungserkrankungen“ finanziert.

Team:
Dr. Simon Lohse, Institut für Medizingeschichte und Wissenschaftsforschung, Universität zu Lübeck (Projektleitung)
PD Dr. Jörn Knobloch, Institut für Medizingeschichte und Wissenschaftsforschung, Universität zu Lübeck

Kooperationspartner:
Dr. Karim Bschir, Lehrbeauftragter an der School of Humanities and Social Sciences und Geschäftsführer der Ethikkommission, Universität St. Gallen (Schweiz)
Dr. Stefano Canali, Interdisciplinary Unit on Philosophy and Sociology of Science and Technology, Politecnico di Milano (Italien)

Publikationen:
Lohse S. & Bschir, K. 2021. „Wider die Einseitigkeit: Ein Plädoyer für mehr Pluralismus in der öffentlichen Gesundheitspolitik“. Soziopolis. Gesellschaft beobachten.

Lohse, S. & Bschir, K. 2020 „The COVID-19 Pandemic: A Case for Epistemic Pluralism in Public Health Policy”. History and Philosophy of the Life Sciences 42(58) doi.org/10.1007/s40656-020-00353-8.